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Kurz: Weil es sich im Laufe der Evolution als vorteilhaft erwiesen hat, gewisse Umgebungsreize wahrzunehmen, um darauf reagieren zu können, sodass das Pferd eine möglichst große Chance hat zu überleben und sich fortzupflanzen (das nennt man Fitness [2]).

Machen wir uns also bewusst, was das Pferd können sollte, um in seinem Habitat (= Lebensraum) zu überleben.


Ja genau! Und wir Menschen sind als HalterInnen und BesitzerInnen dafür verantwortlich, dass die Lebensbedingungen den artspezifischen Bedürfnissen gerecht werden! (Ich kann’s nicht oft genug sagen…)

Das bedeutet auch, dass von den Pferden NUR verlangt wird, was sie physiologisch oder psychologisch auch leisten können. Und das hängt auch damit zusammen, was Pferde kognitiv leisten können – oder eben nicht.

Dabei gilt insbesondere: Pferde lernen immer! Egal ob ein „Training“ aktiv durchgeführt oder einfach nur mit dem Pferd interagiert wird [22]. Wenn wir uns aber bewusst machen, WIE Pferde lernen, können wir das direkt für uns nutzen und unser Verhalten und unsere Reaktionen so anpassen, dass das Pferd (schneller und effizienter) lernt, wie es reagieren und was es tun und lassen soll.

Beim Training greifen wir – ob wir wollen oder nicht – auf verschiedene Lernprozesse zurück, bspw.:

  • Habituation: wir gewöhnen Pferde an Schreckreize, damit der Umgang mit unserem Fluchttier sicherer wird, weil der Fluchtinstinkt dadurch unterdrückt wird, dass der Schreckreiz keine unangenehme Folge für das Pferd hat.
  • Sensibilisierung: wir sensibilisieren Pferde auf feine Reizunterschiede, damit sie auf spezifische Hilfen, z.B. zur Seite weichen oder angaloppieren.
  • Klassische Konditionierung: wir verknüpfen ein Stimmkommando mit einer treibenden Hilfe, damit unser Pferd allein beim Wort „Trab“ bereits antrabt.
  • Operante Konditionierung: wir geben Pferden Signale oder reagieren auf ihr Verhalten, damit sie ein gewolltes Verhalten häufiger und ein ungewolltes Verhalten seltener ausführen.

Für dich, den Umgang mit und dem Training von deinem Pferd bedeutet das also

  • Erlerntes Verhalten beruht auf Erfahrungen: Dein Pferd führt ein Verhalten aus, weil es damit angenehme Erfahrungen gemacht hat.
  • Lernen passiert ständig und dauerhaft möglich: Dein Pferd kann verschiedene Verhaltensweisen auf unterschiedlichen Wegen erlernen, umlernen und verlernen.
  • Die Basis bestimmt den Trainingserfolg: Wenn dein Pferd Grundprinzipien verstanden hat, überträgt es diese auf neue Lernsituationen; wenn es im Lernprozess angenehme Erfahrungen macht, wird es in zukünftigen Trainingssituationen eine positive Erwartungshaltung annehmen.